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Brasilien - Sicherheit Brasilien - Sicherheit

Sicherheit in Brasilien
 
Ein großes Problem Brasiliens ist die hohe Kriminalität. Hauptursache ist das große Gefälle zwischen Arm und Reich - noch vor wenigen Jahrzehnten war Brasilien ein Land, in dem es kaum eine Mittelschicht gab. Aufgrund des Aufstiegs Brasiliens zur globalen Wirtschaftsmacht wächst nun jedoch rasant eine Mittelschicht heran, was die soziale Situation langsam aber sicher entschärft.
Aufgrund des großen Zustroms in die Städte, erst von Sklaven und später von armer Landbevölkerung, entstanden Favelas in den größeren Städten Brasiliens, teilweise gesetzlose Zonen, in denen Drogen- und Kriminellensyndikate, wie etwa das Comando Vermelho in Rio de Janeiro oder das Primeiro Comando da Capital in São Paulo, entstehen konnten.

Mit Favela werden die besonders in Randlagen der großen Städte Brasiliens liegenden informellen Siedlungen oder auch Marginalviertel, bei denen die Bewohner anfangs nicht über legalen Grundbesitz verfügen, bezeichnet. Begrifflich ist es nicht korrekt, Favelas als Slums zu bezeichnen, da sie nicht durch den Verfall städtischer Zonen, sondern durch unregulierte Besiedlung entstehen. Vergleichbare informelle Siedlungen findet man auch in den meisten anderen Schwellenländern, wo sie jedoch andere Bezeichnungen haben.
Die ersten Favelas in Brasilien entstanden im Zuge der Sklavenbefreiung 1888 aufgrund des danach einsetzenden großen Zustroms in die Städte, und haben sich seitdem ständig ausgebreitet. Die demographische Entwicklung seit Mitte des 20. Jahrhunderts führte zu einer teilweise unkontrollierten Expansion der Städte. Da die Stadtplanung mit diesen Veränderungen in der Regel nicht mithalten konnte, entstanden viele Favelas.
Die Behausungen bestanden am Anfang nur aus Kistenbrettern, Blechkanistern und Palmwedeln als Baumaterialien, mittlerweile aber meistens aus Steinen. Eine Basis-Infrastruktur (fließendes Wasser, Abwasserleitungen, Stromversorgung, Müllabfuhr) ist nicht immer gegeben. Viele Bewohner besitzen jedoch Basisprodukte einer Mittelstandsgesellschaft (Kühlschrank, Gasherd, Fernseher, Internetverbindung, Klimaanlage).

Seit der Entstehung der ersten Favelas schwankt die Politik der brasilianischen Regierung sowie der zuständigen Stadtregierungen zwischen Aussiedlungsbemühungen auf der einen und Hilfsangeboten zur Verbesserung der Infrastruktur für die Bewohner auf der anderen Seite. Die Militärdiktaturen 1964 bis 1979 versuchten, durch zum Teil gewaltsame Umsiedlungsprogramme eine Zurückdrängung dieser urbanen Siedlungsräume zu erreichen, was jedoch scheiterte.
Seit Ende der 1960er Jahre und verstärkt ab etwa 1990 wird auf die Sanierung der Favelas gesetzt, zunächst mit punktuellen Eingriffen, in neuerer Zeit dann durch integrative Großprojekte. In Rio de Janeiro wurde im Jahr 1994 das vielbeachtete großangelegte Sanierungsprogramm “Favela-Bairro” begonnen, dass in alle Favelas Strom, Wasser, Kanalisation und andere infrastrukturelle und soziale Einrichtungen bringen soll. Daneben hat sich die Organisation “Un techo para mi país” die Beseitigung von Elendsquartieren und die Errichtung von Unterkünften für alle Bewohner eines Landes in den Ländern Lateinamerikas zum Ziel gesetzt.

Favelas werden oft als “Stadt in der Stadt” bezeichnet: sie sind weitgehend unabhängig von der offiziellen Stadtverwaltung organisiert, leider oft unter der Leitung des Anführers des dortigen Drogenkartells. Die territorialen Kämpfe der Drogenorganisation werden mit äußerster Brutalität geführt.
Die Bewohner der Favelas geraten dabei immer wieder zwischen die Fronten, müssen letztlich aber die Drogenhändler als Autorität in ihrem Viertel anerkennen und sich mit diesen arrangieren. Die so in vielen Fällen entstehende Kooperation zwischen Bewohnern und Drogenhändlern wird außerdem dadurch gefördert, dass letztere eine Art von Gewaltmonopol durchsetzen, welches einen teilweise wirksameren Schutz vor Kriminalität und einigen Formen von Gewalt als der durch den brasilianischen Staat garantiert, und in einigen Fällen gewisse ansonsten nicht vorhandene soziale und karitative Funktionen übernehmen.

In den vom Drogenhandel kontrollierten Favelas kommt es zunehmend zu Angriffen von sogenannten “Milícias”, welche die Mitglieder der Drogenbanden angreifen und vertreiben. Es wird vermutet, dass die Milizen von Polizeibeamten in Zivil, ehemaligen Sicherheitskräften und Feuerwehrleuten gesteuert oder sogar gebildet werden.
Auch von offizieller Seite wird etwas gegen die Kriminalität getan. Der für die öffentliche Sicherheit in Rio de Janeiro zuständige Minister José Mariano Beltrame entsendet beispielsweise derzeit 3.300 Polizisten in verschiedene Favelas. Die so entstehenden, als “friedensstiftende Polizeieinheiten” bezeichneten Sicherheitstruppen sollen dafür sorgen, dass bis Ende 2010 mindestens 30 % der Favela-Bevölkerung Rios in sicheren und  entkriminalisierten Wohngebieten leben. Insbesondere junge Polizeirekruten sollen dabei eingesetzt werden.

Die durchschnittliche Mordrate in Brasilien liegt bei 25,2 Personen pro 100.000 Einwohner. Sie ist im vergangenen Jahrzehnt jedoch erstmals seit Beginn der Veröffentlichung staatlicher Mordstatistiken im Jahr 1979 nicht angestiegen, sondern gesunken, es gebe eine “nie da gewesene Tendenz zum Rückgang”.
Am meisten sind die Männer (94 %) und davon die Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren (44 %) betroffen. Etwa 80 % der Morde treffen Bandenmitglieder aus dem Drogenmilieu selbst. 80 % der Tötungsdelikte werden durch Schusswaffen verursacht. Rund 90 % der Schusswaffen befinden sich in Privatbesitz (davon etwa die Hälfte illegal), die restlichen zehn Prozent gehören dem Staat.
Ein großes Problem ist leider auch die bis in hohe Ränge hinaufreichende Korruption innerhalb der brasilianischen Polizei, und deren teilweise brutales Vorgehen in den Favelas.

Die Sicherheitslage ist in Brasilien äußerst unterschiedlich. In der Regel sind natürlich kleinere Städte sicher, Megastädte wie São Paulo dagegen unsicher, nahezu unregierbar und unkontrollierbar. Außerdem gibt es in Brasilien ein starkes Nord-Süd-Gefälle - im allgemein ärmeren Nordosten ist es unsicherer als im reicheren, fast europäisch wirkenden Süden. Ausschlaggebend ist aber das Gefälle zwischen Arm und Reich, egal in welcher Region.
Wenn man Sicherheitshinweise beachtet, ist man in touristisch interessanten Gegenden der Metropolen zumindest tagsüber recht sicher, und hat in der Regel - wenn es denn dazu kommt - nicht mehr als den Verlust von Wertsachen zu fürchten. Schwerkriminalität findet hauptsächlich in Favelas statt.
Es muss allerdings gesagt werden, dass die Sicherheitslage von Städten wie Rio de Janeiro für Touristen von Reisenden und Auswanderern kontrovers diskutiert wird.

 


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